Crowdfunding – Aktiengesellschaft 2.0
11. Oktober 2008 | Von Tino Kreßner | Kategorie: Marketing 2.0Angelehnt an das Crowdsourcing ist der Begriff Crowdfunding zu verstehen. Hier wird ein gemeinsames finanzielles Ziel durch mehrere Einzelspenden erreicht. Altdeutsch wahrscheinlich auch Spendensammlung genannt, nur das hier die Anzahl der Unterstützer bereits im Vorfeld festgelegt wird. Zum Beispiel wird versucht einen englischen Fußballclub mit der Initiative myFootballClub durch die Spenden von 50.000 Einzelperson von je 35 Pfund im Jahr zu 51 Prozent zu kaufen. Im Gegenzug bekommen sie dann über die Webseite die Möglichkeit in alle wichtigen Entscheidungen mit eingebunden zu werden. So soll zum Beispiel über den Kauf und Verkauf von Spielern online abgestimmt werden. Das Projekt wurde Ende April 2007 gestartet und erreichte bereits drei Monate später die Marke von 53.051 zahlenden Teilnehmern, von denen sich in Zukunft wohl einige als preisgünstigste Talentscouts entpuppen könnten.
Menschen bekommen somit die Möglichkeit Anteil an einer Unternehmung oder einem Produkt zu haben. Von der Grundidee lässt sich das mit Aktien vergleichen, nur das wie bei dem Beispiel myFootballClub kein finanzieller Gegenwert gegenüber steht, sondern die Möglichkeit Mitentscheidungen zu treffen. Als Techniken für den Entscheidungsprozess werden dabei meist Diskussionsforen, Wikis und Votings eingesetzt. Abhängig von der Einlagenhöhe bekommen auch in einer Aktiengesellschaft die Anteilhaber eine Stimmberechtigung.
Fallstudie: Sell-A-Band
Mit dem Prinzip des Crowdfoundings kann wie bei Aktien sogar auch Geld verdient werden – und das von Seiten der Produzenten und Konsumenten gleichzeitig. Die Plattform Sell-A-Band macht Musik-Künstler zu Web 2.0-Aktiengesellschaften und Fans zu Plattenfirmen. Für 50.000 US-Dollar (zirka 38.000 Euro) können angemeldete Künstler beziehungsweise Bands ein professionelles Album produzieren. Für bereits 10 US-Dollar können Konsumenten (hier besser: Fans) ihre favorisierten Künstler dabei unterstützen. Die 50.000 werden in 5.000 Teile zu je 10 US-Dollar aufgeteilt. Man benötigt also 5.000 Fans, die alle ein Anteil kaufen bzw. 2.500 Fans die je zwei Anteile kaufen oder nur einen Fan der alle 5.000 Anteile kauft. Es kann beliebig kombiniert werden. Die Künstler bekommen wie auf MySpace ein eigenes Profil auf dem sie sich vorstellen und vorallem ihre Songs präsentieren können. Nur wenn auch wirklich die 50.000er Marke erreicht wird, müssen die Fans das Geld bezahlen und können sich so sicher sein, dass dann auch wirklich ein Album produziert wird.
Dies birgt ein unheimlich virales Marketing Potential. Es liegt in dem Interesse der Künstler und Bands die Seite intensiv zu bewerben. Denn als Fan und Anteilhaber des oder der Künstler bekommt man das produzierte Album kostenlos (also schon für die 10 US-Dollar Unterstützer-Anteil) als exklusives Digipack zugeschickt. Der Konsument signalisiert Bereitschaft ein Produkt zu kaufen, was es noch nicht gibt und wofür er demnach auch noch nicht zahlen muss. Durch Mundpropaganda entsteht Online eine Community, die ebenso bereit sind das Album zu kaufen. Erst mit dem Erreichen der Zielmarke wird die Bereitschaft zu einer Verpflichtung, bis dahin kann man sich jederzeit umentscheiden und problemlos zurückziehen. Für die Produzenten wird das Risiko des Produktabverkaufes auf Null reduziert.
Die dann produzierten Songs werden gleichzeitig kostenlos auf Sell-A-Band zum Download angeboten. Wie bei kostenlosen Zeitungen und Zeitschriften wird dies über Werbeschaltungen auf der Webseite finanziert. Das Besondere ist, dass an denen der/die Künstler, aber auch die Anteilshaber (und natürlich die Firma Sell-A-Band) mitverdienen können. Sie werden an den Einnahmen zu gleichen Teilen partizipiert. Also je mehr Menschen das Profil des/der Künstler besuchen und je mehr Anteile ein Fan besitzt, desto mehr Geld kann er als Konsument mitverdienen. Der/die Künstler sowie ihre 5.000 Fans werden also nun bereitwillig alle Möglichkeiten nutzen, um Sell-A-Band zu bewerben. Sie werden die Profilseite bei Sell-A-Band auf Plakate drucken, auf allen ihren Auftritten erwähnen und Freunden weitererzählen. Und das jede Band, die die 50.000er Marke erreicht hat auf Lebenszeit. Eine Promotion, für die Sell-A-Band selbst keinen Cent bezahlen muss. Es gibt wohl keine kostenlose Zeitung beziehungsweise Zeitschrift, die solche eine Unterstützung von ihren Konsumenten für sich verbuchen kann. Sell-A-Band wird somit rein durch das Bereitstellen einer Plattform zum profitablen Unternehmen.
Im Juni 2007 waren laut einem Videoclip von Sell-A-Band bereits 3.000 Künstler und Bands angemeldet, von denen sieben durch die Plattform ein eigenes Album aufgenommen haben. Im nächsten Schritt kümmert sich Sell-A-Band um die Distribution der Alben über weitere Online- und Offline-Musikshops, an dessen Gewinn wieder alle drei Parteien (Künstler, Fans, Sell-A-Band) beteiligt werden. Alle werden auch hier bereitwillig zum aktiven Werber, um selbst höhere Gewinne zu erzielen. Eine Plattenfirma im klassischen Sinne wird überflüssig.
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