Marketing 2.0

27. August 2008 | Von Tino Kreßner | Kategorie: Marketing 2.0

„Marketing 2.0 bedeutet Marketing mit und nicht am Kunden“
(Freie Übersetzung eines Zitats aus dem angelsächsischen Raum: „Market with consumers, not at them.“)

Märkte werden wieder zu Gesprächen. Mit dem Web 2.0 werden die Dialoge auf dem Marktplatz aus dem 19. Jahrhundert nach über 150 Jahren global. Der einseitige Produzenten-Konsumenten-Kanal der Massenmedien wird aufgebrochen und durch vielzählige Interaktionsmöglichkeiten ergänzt. Die Grenzen zwischen Produzenten und Konsumenten verschwimmen. Der Konsument bekommt mit dem Web 2.0 erstmals Werkzeuge in die Hand, selbständig auf dem globalen Markt über den Produzenten zu sprechen, sich mit anderen zu vernetzen und interaktiv Inhalte zu generieren. Jeder kann Meinungen über Produkte und Marken einfach veröffentlichen und einer breiten Masse zugänglich machen. Marketing 2.0 geht mit einer Öffnung der Marketingprozesse einher. Der Kunde wird nicht mehr mit Werbebotschaften erdrückt, sondern durch Begeisterung und Einbeziehung an ein Produkt oder eine Marke gebunden.

Bei Kommunikationsmaßnahmen des klassischen Marketings konsumiert der Kunde Informationen aus einer „Lean-Back-Haltung“. Er nimmt Informationen passiv auf. Im Web 2.0 werden Kunden selbst zu aktiven Teilnehmern und treten in eine „Move-Forward-Haltung“. Sie partizipieren mit ihrem Wissen und generieren selbst Werbeinhalte. Die Einseitigkeit des Produzenten-Konsumenten-Verhältnis wird aufgebrochen. Im Mittelpunkt steht ein authentischer und offener Dialog zwischen Produzenten und Konsumenten auf „Augenhöhe“. Kunden vernetzen sich, tauschen Meinungen und sprechen Empfehlungen aus. Sie werden Bestandteil der Unternehmenskommunikation, können an der Produkt- und Preisgestaltung teil haben und formen selbst das Image einer Marke mit. Als Marketing 2.0 wird hier das Agieren eines Produzenten auf dem globalen Markt im Internet mit den Ansätzen und Techniken des Web 2.0, bezeichnet.

Betrachten wir die enorme Menge an Kommunikation, die Bereitwilligkeit User-Generated-Content zu produzieren und das Interesse in sozialen Netzwerken oder mittels Blogs Empfehlungen auszusprechen, wird deutlich welche Richtung das Marketing im Web 2.0 einschlagen muss. Marketing im Web 2.0 bedeutet auf den Konsumenten zu hören, auf Augenhöhe zu gehen und ihm die Chance zu geben selbst aktiv zu werden und mitzumachen. Dies schafft Identifikation und eine positive Einstellung zum Produkt. Wissenschaftliche Studien (vgl. Thomke/von Hippel 2002, S. 74-81) zeigen sogar, dass bessere Lösungen entstehen, wenn man seine Kunden und Nutzer mit in den Innovationsprozess einbezieht.

Bereits 2003 haben Anja Förster und Peter Kreuz in ihren Marketing-Trends festgestellt, dass im Zeitalter der Informationsüberflutung der Faktor Zeit eine wichtige Ressource darstellt. Unternehmen müssen sich darauf konzentrieren, „[…] die Erlaubnis des Kunden für Marketingaktivitäten einzuholen und dauerhaft zu erhalten. Stellt der Kunde sich der Vermarktung freiwillig zur Verfügung, ist ein höherer Aufmerksamkeitsgrad gewährleistet, die Werbemaßnahme wirkt effizienter, Unterbrechungen durch die Konkurrenz werden weniger stark wahrgenommen.“ Bindung und Begeisterung der Konsumenten sind die neuen Kernelemente des Marketing 2.0.

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