Neues bei Google und Zukunftspläne

31. August 2008 | Von Tino Kreßner | Kategorie: Webtrends

Ein Interview in der Chip Ausgabe 7/2008 zu den Zukunftsplänen von Google hat mich auf die Idee gebracht, die aktuellsten Entwicklungen und geplanten Dienste von Google einmal übersichtlich zusammen zufassen. Die Informationen werden wertungsfrei vorgestellt, trotz jeder einzelne Dienst sicherlich zu einer spannenden Diskussion anregt.

Google SketchUp

Google SketchUp ist ein kostenloses Tool zur Erstellung von 3D Modellen. In zahlreichen Online-Videos zeigt Google die intuitive Nutzung des Dienstes. Hobby-Architekten können so das eigene Haus und Grundstück planen. Entwickelt wurde der Dienst vermutlich für die 3D-Ansicht bei Google Earth, denn die Gebäude- oder ganze Stadtansichten lassen sich problemlos in diesen Google-Dienst einbinden. In dem Video werden die Möglichkeiten des Tools gezeigt und die Bedienung vorgestellt.

Google Earth

Google Earth gibt es jetzt als Browser-Plugin, so dass eine Installation der Software überflüssig wird. Durch das Bereitstellen einer API bietet Google die Möglichkeit an, wie bei Google Maps, mit dem Kartenmaterial von Google Earth zu interagieren. Zu den jeweiligen Orten lassen sich die Fotos von Panoramio sowie Informationen von Wikimapia einbinden.

Mit diesem Service können so im Browser eigene Kollektionen von Orten/Gebäuden unserer Welt zusammen gestellt werden. Auf der Website earthswoop präsentieren User zum Beispiel „Wonders of the Modern World“. Mit einem Klick auf das nächste „Wunder“ fliegt der Betrachter virtuell über die Welt. Die Kollektionen lassen sich, wie bei YouTube, mit einem Code in andere Webseiten einbauen.

Auf thematicmapping.org können mit Hilfe von Google Earth die CO2-Emissions-Werte, die Lebenserwartung und viele andere statistische Daten unserer Welt im Laufe der Geschichte bis teilweise in die Zukunft betrachtet werden.

Google Street View

Mit Street View lassen sich Ansichten von Google Maps einfach im Browser in 360° betrachten. Dazu schiebt man auf der Karte ein kleines gelbes Männlein durch die Straßenzüge und erhält einen Rundumblick, der vom Dach eines Fahrzeuges fotografiert wurde.

Problem: Auf den Bildern sind nicht nur Gebäude, sondern auch Menschen abgebildet. So könnte sich durch Zufall entdecken lassen, mit wem der eigene Partner unterwegs war oder was der Mitarbeiter im Konkurrenz-Gebiet so treibt. Ein Bericht der ARD: Google-Überwachung und Audio-Interview mit dem Google-Experte Georg Reischl.

Google Knol

Mit Google Knol bekommt Wikipedia einen neuen Mitbewerber als kostenfreie Online-Enzyklopädie, welche von einer unbestimmten Anzahl von freiwilligen, unbezahlten Mitarbeitern gepflegt und erweitert wird.

Übersichtsseite von Knol

Detailseite von Knol

Der Unterschied zu Wikipedia ist, dass bei Knol jeder Artikel von einem einzigen Autor verfasst wird. Andere Benutzer können diese dann bewerten, kommentieren oder Änderungen vorschlagen. Legen mehrere Autoren zu ein und demselben Thema einen Beitrag an, so soll die Bewertung der Artikel entscheidend sein, welcher als erstes angezeigt wird.

Google Lively

Auch Google bietet jetzt ein „zweites Leben“ an. Der entscheidende Vorteil von Google Lively zu „Second Life“: die virtuellen Welten bzw. Räume lassen sich direkt in den Browser einbinden. Nach der Installation eines entsprechenden Plugin startet der Dienst ohne einer Software. Google Lively ist jedoch mehr als virtueller Chat-Raum zu verstehen bei dem die Nachrichten über den Köpfen der Avatare stehen. Firmen können so ihre Kunden auf der Webseite wortwörtlich digital empfangen und ein Gespräch ähnlich wie im Ladengeschäft führen. Lively visualisiert und emotionalisiert damit das beliebte Instant-Messaging und macht den Online-Kontakt etwas „menschlicher“.

Google Books

Die Ergebnisse der Büchersuche von Google tauchen zunehmend bei den Suchtreffern von Google auf. Mit Google Books hat Google die Bibliotheken der Welt geöffnet und sich die Aufgabe gestellt, das gedruckte Wissen der Menschheit zu digitalisieren, jedem zugänglich zu machen und vor allem auch zu konservieren. Inzwischen gibt es sogar mehrere zehntausend Bücher, bei denen die Urheber-Rechte abgelaufen sind als kompletten pdf Download. Dazu muss auf der Ergebnisseite einer Buchsuche die Anzeige „Nur vollständige Ansicht“ gewählt werden. Bei der Ansicht des jeweiligen Buches befindet sich dann rechts oben der Link: „Download Pdf“.

Google Sky, Mars, Moon

Kann man mit Google Earth noch von oben auf die Erde schauen, so bietet Google Sky die Möglichkeit in den Himmel, in unser Weltall zu schauen. Versehen mit den Funktionen von Google Maps, scrollt man sich im Browser so durch unsere Sternenbilder. Der Blick ins Weltall ist ausgestattet mit einer Infrarot- und Mikrowellen Ansichts-Funktion. Zusätzlich lassen sich die historischen Zeichnungen der Sternenbilder überlagern.

Bei Google Moon kann man neben der vollständigen Betrachtung des Mondes die Landungsplätze und Informationen zu den jeweiligen Apollo-Missionen einblenden lassen.

Google Mars lässt uns jetzt schon auf eine Welt schauen, die der Mensch erst voraussichtlich 2037 betreten wird.

Google CLIR / Google Translate

Mit dem Internet wird das Wissen weltweit verknüpft. Problem dabei sind die Sprachbarrieren. Gerade bei Wikipedia wird deutlich, dass zu einem Artikel mehrere Versionen in den verschiedenen Sprachen gibt, die alle mit unterschiedlichen Informationen gefüttert sind. Google will es sich zur Aufgabe machen, diese Sprachbarrieren mit einem Live-Übersetzungsdienst zu überwinden. Mit der Technik CLIR (Cross-Language Information Retrieval) soll es Menschen ermöglicht werden, Informationen in der eigenen Sprache auch auf fremdsprachigen Webseiten zu suchen. Google übersetzt die Suchanfrage in die jeweilige Zielsprache, sucht auf diesen Webseiten nach dem Begriff und liefert die Ergebnisse in der eigenen Sprache zurück. Bislang ist dieser Dienst in Google Translate eingebunden, könnte aber in Zukunft ein automatisches Feature bei der Suche nach Informationen auf Google werden.

Google 411

Ein Zukunftsplan von Google ist eine sprachgesteuerte Suche. Über ein Headset oder ein mobiles Gerät soll dem Suchdienst in Zukunft einfach eine Frage per Sprache gestellt werden können, statt Wortkombinationen in den Suchschlitz einzugeben. Ein erster Schritt ist Google 411, ein Dienst, der bislang nur in Amerika verfügbar ist. Über die Telefonnumer 1-800-466-4411 kann eine sprachgesteuerte Suchanfrage an Google gestellt werden. Der Dienst verbindet dann auf Wunsch mit der gesuchten Firma, ähnlich der Auskunft, oder stellt eine Internetverbindung mit der Webseite her. Das Google Promo Video zeigt, wie einfach somit eine Pizza-Bestellung wird.

Google Suggest

Google Suggest ist eine Erweiterung der Internet-Suchmaschine Google, bei der während des Tippens eines Suchworts bereits beliebte Stichworte, die ein entsprechendes Präfix besitzen, mit einer geschätzten Trefferzahl aufgelistet werden. Der Name leitet sich vom englischen „to suggest“ = vorschlagen ab. (Beschreibung von Wikipedia)

Google arbeitet an dem Dienst bereits seit 2004 und noch im September 2008 soll er nun in die Google Suche eingebunden werden. Ziel von Google ist es dabei, dem Nutzer zu helfen, möglichst treffende Suchanfragen zu stellen. Beim Tippen werden sogar Rechtschreibfehler erkannt und korrigiert.

Google Gears

Gears ermöglicht es, Online-Anwendungen lokal zu speichern und so auch ohne Internetzugang zu erreichen. Immer mehr Anwendungen lassen sich ohne Installation heute online starten. Das Problem ist, wenn zum Beispiel im Zug der Laptop nicht ins Internet kann, können die Dokumente bei Google Docs auch nicht bearbeitet werden. Das Browserplugin Gears gaukelt hierzu eine Internetverbindung vor, speichert Informationen in einer lokalen Datenbank ab und synchronisiert diese Daten online erst bei der nächsten Internetverbindung.

Google Health

Google Health ist ein Dienst für eine persönliche Krankenakte. Der Nutzer brauch dadurch seine Befunde, Informationen über Unverträglichkeiten und Röntgenbilder nicht mehr von Arzt zu Arzt zu tragen. Diese sollen in Zukunft alle auf dem eigenen Google Account gespeichert werden. Google speichert auf Wunsch Informationen über verschriebene Rezepte und eingenommene Medikamente. Per SMS kann der Suchmaschinendienst den Benutzer dann an die Einnahme eines Medikaments erinnern. Der Dienst ist bereits in den USA gestartet. (Screenshots im GoogleWatchBlog)

Ärzte können so per Knopfdruck auf die Krankenakte des Patienten zugreifen und so vielleicht eine schnellere Diagnose auf Grundlage der vorhandenen Informationen durchführen. Somit könnte ein Arztwechsel oder eine Weiterleitung zu einem Spezialisten problemlos werden und doppelte Tests vermieden werden. Bei einem Unfass könnte der Arzt in sekundenschnelle Zugriff zu allen nötigen Informationen über das Krankheitsbild des Patienten bekommen.

Google Android

Google Android ist eine Open-Source Softwareplattform für Handys. Der Sourcecode steht kostenlos zur Verfügung und Softwareentwickler können somit eigene Programme für zukünftige Android-Handys schreiben. Für Google sicherlich ein wichtiger Schritt, um die meisten Google-Dienste nun auch in die mobile Welt zu transferieren.

In Kürze wird mit dem HTC Dream das erste Android Handy auf den Markt kommen.

Google Chrome

Google bringt mit Google Chrome nun seinen eigenen Browser auf dem Markt, um, so sagen sie selbst, dem jetzigen Nutzungsverhalten im Internet gerecht zu werden. Die heutigen Browser stammen noch aus einer Zeit, wo es keine Videoplattformen oder ganze Anwendungen online gab. In dem Video erklären die Entwickler die Beweggründe einen neuen Browser zu programmieren.

Google Sites

Mit Google Sites soll es jedem möglich sein, ohne Programmierkenntnisse eine eigene Internetseite zu bauen. Die Seite funktioniert modularisiert nach dem Baukastenprinzip.

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Viewing 6 Comments

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    Sehr ausführlicher Beitrag! Android - ich liebe es; Google-Maps - es navigiert mich und vorallem Google-Chrom ist der beste Browser. Also nichts da Google und Weltherrschaft - Google ist einfach klasse!
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    Ich sehe auch eine große Diskrepanz in Sachen Verhältnismäßigkeit. Noch mehr Technik, noch mehr handys, noch mehr Strahlung. Immer mehr, mehr, mehr. Wo soll das mal enden?
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    Ich denke auch, dass wir in der größten Wohlstandsgesellschafts-Zeit gerade leben. Ich finde es müsste noch eine Alternative zur AG geben, so dass Konzerne, die für nachhaltige Entwicklungen unseres Planeten bedeutend sind, auch mal wie die Politiker eine Agenda für zehn Jahre in der Zukunft entwerfen können. Ein Manager ist bislang gezwungen auf die Quartalszahlen zu achten und kann nur bedingt zehn Jahre voraus planen.

    Naja und dann kann jeder im kleinen was tun, was von der Idee, bis zur Überzeugung sich am Ende zu einer Bewegung entwickeln kann. Nur eine Person im Auto muss z.B. ja auch nicht sein. Ich bin im Moment Dauerwerber -und nutzer von Mitfahrgelegenheiten und Zug. ... aber jetzt sind wir vom Thema abgekommen :)
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    Ja, es gibt viele Dinge, die nicht "passen" und die wir entweder überhören oder gar nicht wahrnehmen. Weil der Gedanke an die Verhältnismäßigkeit scheinbar abhanden gekommen ist, fliegt eben ein Minister mit seinem Jet - nur für ihn alleine - schnell mal für eine Besprechung von 90 Minuten nach Spanien und hinterläßt zig Tonnen CO2, für das die Bürger zahlen dürfen. Videokonferezen wurden leider noch nicht erfunden. Bankchefs kassieren Millionen für die Minimierung von Arbeitsplätzen, zum Glück werden Mindestlöhne von einige Euro pro Stunde eingeführt.
    Was können und was wollen wir daran ändern?
    Zur Thematik "Zukunftspläne" passen die Gedanken noch ;-)
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    Ich fand dazu den Artikel bei Spreeblick ganz nett geschrieben
    http://www.spreeblick.com/2008/09/04/wir-sind-b...

    Ich sehe es mit zwei Herzen/Augen.

    Zum einen begeben wir uns nach und nach in die Abhängigkeit einer Organisation/Instanz. Das hat es geschichtlich schon mal gegeben: Den Absolutismus. Die Menschen haben die Epoche der Aufklärung gebraucht, um "[...] aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit" (Kant) wieder rauszukommen ... komisch, dass wir uns trotz dieses Wissens jetzt so bereitwillig wieder hineinbegeben.

    Mein anderer Standpunkt ist, dass Google durchaus einfach Tools entwickelt, die nützlich sind. Sie erkennen die Nachfrage des Marktes und reagieren sehr visionär. Ich finde jeden Google-Mitarbeiter muss man auf die Schulter klopfen für das was er dort leistet. Dass ich kostenlos auf den Mond und Mars schauen kann, fasziniert mich. Und das sind meines Erachtens Dinge mit denen Google auch nicht vordergründig Geld macht, sondern daran denkt, was wirklich "cool" bzw. nützlich für die Welt ist.

    Durch die Größe der Firma haben die gigantische Möglichkeiten und können bzw. werden Dinge verwirklichen, die ich mir nur erträumen kann. Und klar, um als Unternehmen weiter bestehen können, geht es natürlich um eine Gewinnmaximierung ... aber bei solchen Themen greife ich erstmal den Energiekonzernen an die Nase, denen als Aktiengesellschaft jegliche Form von Nachhaltigkeit egal ist bzw. leider sein muss ... bevor ich über Google schimpfe.
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    Sicher sind die Ansätze sowohl jeder für sich als auch insgesamt sehr interessant. Google stellt dem User hochwertige Anwendungen kostenlos zur Verfügung, muss sich als Unternehmen behaupten. Durch die Vielfalt und die Verknüpfungen gelangt Google an große und umfangreiche Datenmengen und übt einen großen Einfluss auf viele Prozesse unseres Lebens aus. Haben wir uns schon mal Gedanken darüber gemacht was passiert, wenn alleine schon eine der Anwendungen ausfällt oder anderweitig nicht zur Verfügung steht?
    Täglich vertrauen Millionen Menschen Google, worin ist das Vertrauen begründet?
    Ich bekomme da schon etwas "Bauchgrummeln", wenn ich im Video zu Chrome höre, dass es ein "fully open source browser" sei.

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