Open Design

22. September 2008 | Von Tino Kreßner | Kategorie: Marketing 2.0

Gerade die Gestaltung eines Produktes oder einer Marke ist auf viel Kreativität angewiesen und zudem meist Geschmackssache. Was einem Produktdesigner gefällt, muss nicht gleich dem Großteil der Zielgruppe gefallen. Also warum diese nicht im Vorfeld fragen und ganz im Sinne von Web 2.0 selbst Vorschläge machen lassen? Jeder, dessen Vorschlag verwendet bzw. verarbeitet wird, stellt zudem schon frühzeitig einen Weiterempfehler des Produktes dar. Er wird selbst Mundpropaganda generieren aus dem Interesse, Achtung oder Beachtung in seinen sozialen Netzwerkstrukturen zu erhalten. Durch seinen Anteil am Produkt wird er sich auf Dauer daran gebunden fühlen.

Shirt.Woot! musste feststellen, dass sich mit Motiven, die von Nutzern generiert werden, mehr Geld verdienen lässt, als mit eigenen. In einer Testwoche Ende August 2007 haben sie ausschließlich Shirts mit Nutzermotiven verkauft und konnten so ihren Wochenumsatz (von Montag bis Donnerstag) um mehr als 25 Prozent steigern.

Shirt.Woot! hatte anfangs auf die Mischung von eigenen und User Generated Motiven gesetzt, die lediglich jeden Freitag angeboten wurde. Bislang konnten die Shirts, die nur eine Auflage von 600 Stück hatten, nur selten restlos verkauft werden. In der Testwoche wurde die Auflage sogar auf 750 Shirts erhöht. Mit beachtlichem Erfolg: „Alle Motive verkauften sich meist noch vor dem Frühstück aus.“

Der Automobilkonzern FIAT schrieb 2006 ein Crowdsourcing Projekt aus, bei dem Kunden den neuen „FIAT 500″ mitgestalten sollten, um so schon vor dem Produktlaunch für Aufmerksamkeit zu sorgen. Sie werden interaktiv in den Gestaltungsprozess mit einbezogen, machen Vorschläge und äußern ihre Wünsche. „Allein in den ersten 50 Tagen haben die Italiener mehr als 500.000 Zugänge gezählt, nach wenigen Monaten waren es zehn Millionen Klicks, fast 400 Menschen haben ein Foto zu den ‚500 Faces‘ auf die Website gestellt, und mehr als 170.000 Entwürfe zeigen, wie sich die Fans den neuen Cinquecento vorstellen.“, heißt es auf Spiegel Online. Der FIAT-Markenchef Luca De Meo äußert sich stolz über diese Aktion:

„Nach mehr als 20.000 Zuschriften wissen wir jetzt auch, welche Form sich die Kunden für den Auspuff wünschen, dass beinahe jeder Zweite eine kleine italienische Flagge unter dem Außenspiegel haben möchte und dass viele Kunden Wert auf verchromt Stoßfänger legen werden. Wenn wir auf das hören, was uns die Kunden sagen, dann können wir relativ sicher sein, dass unser Auto später auch gut ankommen wird.“

De Meo sieht dabei die Arbeit der Internetnutzer nicht als kostenlose Mitarbeiter seines Unternehmens, sondern betrachtet diese Aktion als „moderne Marktforschung“. Besonders interessant hierbei ist, dass FIAT diese Aktionen zudem mit einer viralen Komponente ausgestattet hat. Hat man mit dem Video-Konfigurator sein Wunsch-Auto aus 500.000 Möglichkeiten zusammengestellt, wird aus den Vorgaben ein Video generiert, was sich online abspeichern und an Freunde schicken lässt.

Selbst die Gestaltung eines Logos und damit ein Teil des Corporate Designs kann online im Kollektiv duchgeführt werden. Es ist schon längst gängige Praxis, dass große Gestaltungsaufträge zunächst an mehrere Media-Agenturen oder Freelancer ausgeschrieben werden. Die Teilnehmer bekommen ein Briefing und reichen zum geforderten Abgabetermin ihre Entwürfe und Konzepte ein. Für öffentliche Auftraggeber ist es sogar vorgeschrieben eine derartige Ausschreibung auszugeben.

Der Online-T-Shirt-Shop Spreadshirt geht mit ihrer Ausschreibung zum „Open Logo Contest“ einen Schritt weiter. Das Briefing wird online veröffentlicht und jeder, der Interesse hat, kann teilnehmen und ein Vorschlag einreichen. Den entgültigen Feinschliff am Logo hat sich Spreadshirt selbst offen gehalten. Als Bezahlung oder hier treffender ausgedrückt, als Gewinn, winkte ein Geldpreis von 1.000 Euro sowie ein Grafiktablett im Wert von 2.500 Euro. Entschieden wurde ebenso durch ein öffentliches Onlinevoting. Auch den Plätzen zwei bis sechs wurde mit Geldpreisen von 1.000 Euro bis 500 Euro gedankt, so dass das neue Logo ingesamt 7.000 Euro kostete. Ein Preis, für den diesen Auftrag sicherlich auch eine professionelle Media-Agentur zur Verfügung gestanden wäre. Den Vorteil die Logogestaltung aber öffentlich auszuschreiben beschreibt der Brand Manager von Spreadshirt Andreas Milles auf seinem privaten Blog:

„Wir haben 3 Monate lang die Türen geöffnet, und in dieser Zeit und ohne jegliche ‚Außenwerbung‘ von mehr als 600 Teilnehmern mehr als 1.100 Vorschläge für unser neues Corporate Design erhalten. Insgesamt habe ich ganze 2 Entwürfe (!) nicht zugelassen, 4 wurden als Plagiate enttarnt und entfernt. Im Schnitt haben das OLP etwa 1.500 Nutzer täglich aufgerufen, mehr als 60 Nutzer wurden von uns als ‚aktiv‘ eingeschätzt.
Wir haben gelernt, wie unsere Kunden uns sehen, uns wahrnehmen, und was ihnen an Spreadshirt wichtig ist. Ich würde jedem Unternehmen jederzeit empfehlen, ein OLP durchzuführen, es lohnt sich und ist auch eine guter Start für eine ‚1:1′ Kommunikation, für einen Dialog mit den Kunden.“


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