Open Innovation

8. September 2008 | Von Tino Kreßner | Kategorie: Marketing 2.0

Die Innovation eines Produktes ist abhängig von dem Wissen, der Kompetenz und Kreativität eines sozialen Netzwerkes oder einer einzelnen Person. Mit dem Internet können durch Community Plattformen, Diskussionsforen und Blogs mehrere soziale Netzwerke miteinander verknüpft werden. Das gesamte Wissen jedes Teilnetzwerkes wird dem Innovatiosprozess beigesteuert. Durchaus ist dieser Kollektivismus theoretisch auch offline möglich, da jeder Mensch nach Stanley Milgram über sechs Ecken miteinander verbunden ist. Nimmt aber der Vermittler zwischen zwei Teilnetzwerken an einem Crowdsourcing Projekt selbst nicht teil, fehlt in der Praxis die Verknüpfung und damit die Chance für dieses Netzwerk überhaupt an dem Innovationsprozess Teil zu nehmen. Das Web 2.0 ersetzt hier die Funktion der Vermittler, jedes einzelne Mitglied eines Teilnetzwerkes steuert das kollektive Wissen seines sozialen Netzwerkes bei.

Produkte werden geschaffen um Bedürfnisse von Menschen zu befriedigen, also warum soll der Kunde nicht selbst über das entscheiden, was er später kaufen wird? Und dies nicht nur durch Informationen zu seinen Bedürfnissen, sondern in dem er selbst aktiv wird. Durch Community-Applikationen und Wikis können mehrere Kunden dabei gleichzeitig an einem Entwicklungsprozess teil haben. Die Entscheidungen müssten konsensbasierend getroffen werden. Dies führt nicht zwingend zu längeren Entscheidungswegen. Auch in der Offline-Welt werden bei Innovationsprozessen Diskussionen oder Dispute zwischen den Mitarbeitern geführt.

Mit Wikis können Entwicklungen dokumentiert und auch wieder rückgängig gemacht werden. Mit integrierten Diskussionsfunktionen kann ein aktiver Dialog zwischen allen Partizipienten geführt werden, der archiviert und durchsuchbar wird – ein automatisches digitales Protokoll, was offen eingesehen werden kann. Das Wissen aus den Diskussionen steht also allen zur Verfügung und muss nicht durch (zeitfressende) Gespräche weitergetragen werden. Auch verhindert dies, dass über einen Sachverhalt von einer anderen Person ein zweites Mal diskutiert wird.

Will ein Unternehmen einen Open Innovatiosprozess in Gang bringen, gilt es einen klaren Handlungsauftrag auszuschreiben und geeignete Tools den Teilnehmern zur Verfügung stellen. Das Unternehmen erhält nach Stephan1 eine kundenorientierte Produktgestaltung und eine Marktforschung aus erster Hand. Der Kunde bekommt ein auf seine Anforderungen ausgerichtetes Produkt. Durch die Mitsprache wird er frühzeitig an das Produkt gebunden und zum Kenner erhoben, der bereitwillig Mundpropaganda auslösen wird. Auch ist nicht zu verkennen, das einige Kunden durchaus einen Innovationsdrang besitzen, Freude daran haben neue Dinge zu kreieren und mitzugestalten, zu denen sie allein nie in der Lage wären.

Der offene Entwicklungsprozess durch die eigenen Konsumenten bedeutet ein radikales Umdenken der Produzenten selbst. Unternehmen werden zu Plattformen, stellen technische Rahmen zur Verfügung und moderieren die Kommunikation. Klassische Unternehmenshierarchien werden aufgebrochen. Dadurch müssen neue Businessmodelle entstehen. Eine bislang erfolgreiche Umsetzung ist Linux. Das Betriebssystem wird ausschließlich über Communities entwickelt und weiter verbessert. Geld verdient werden kann unter anderem durch Support, Schulungen, Beratung, individuelle Anpassungen, Zusatzdienste und Vetrieb. Linux wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht, bei der es jedem erlaubt ist, das Produkt zu verändern und zu verkaufen, solange er es wieder unter der gleichen Lizenz anbietet.

Schwedische Studenten zeigten mit dem Open Source Bier namens „Free Beer“, dass sich dieses Model auch außerhalb der digitalen Welt anwenden lässt. Das Bierrezept steht inzwischen in der Version 3.2 online. Brauerein, die das Getränk verkaufen werden ebenso verlinkt.

Die Diplom-Betriebswirtin Inga Stephan setzt sich in ihrer Diplomarbeit mit eventuellen Nachteilen des Open-Innovation-Ansatzes auseinander und betrachtet rechtliche Fragen, die dabei entstehen können. Sie hat ihre Arbeit dabei selbst unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht und unterstützt somit den Ansatz der kollektiven Intelligenz.

Ebenso gehen die Autoren Ralf Reichwald und Frank T. Piller in ihrem Buch „Interaktive Wertschöpfung. Open Innovation, Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung“ sehr ausführlich auf die neuen Prozesse ein. Das Buch steht auch zum freien Download jedem zur Verfügung. Durch die hier durchgeführte Vernetzung zu weiteren Informationen möchte diese Arbeit gleichzeitig die effektiven Vorteile des Internets für die Entstehung von kollektiver Intelligenz zeigen.

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