Open Publishing

30. September 2008 | Von Tino Kreßner | Kategorie: Marketing 2.0

Viele Eintrittsbarrieren für den Markt werden durch das Internet drastisch gesenkt. Der Kauf eines gut frequentierten Ladengeschäftes mit einer ausgebauten Infrastruktur wird wohl reichlich überlegt sein. Die Ansiedelung in mehreren Städten gleichzeitig, erst recht. Im Internet stellen Plattformen wie Ebay den Produzenten zunächst kostenlos eine breit ausgebaute Infrastruktur zur Verfügung, die täglich von mehreren Hunderttausend Menschen besucht wird. Erst beim eigentlichen Verkauf des Produktes wird an den Plattformbetreiber eine Provision fällig.

Durch den On-Demand-Ansatz verschwinden hohe Anfangsinvestitionen für die Produktion eines Gutes. Produkte, wie Bücher, DVDs und CDs können schon heute in Kleinstmengen produziert werden. Zusätzlich werden dadurch die Lagerkosten gesenkt. Was bislang nur bei digitalen Produkten, wie Filme (Video on Demand) oder Musik (Audio on Demand) denkbar war, hält langsam Einzug in andere Branchen. Durch innovative technische Fortschritte in der Machinenbauindustrie, werden Produktionseinrichtungskosten geringer oder verschwinden teilweise ganz. Das Online-Kaufhaus Amazon möchte sich in Zukunft diese Taktik zu Nutze machen, um so, jedes jemals geschriebene Buch online verfügbar zu machen – undenkbar für den Buchladen um die Ecke.

On-Demand ist ein bedeutender Schritt zum Eigenverlag: Keine Produktionsinvestitionen (für das habtische, materielle Medienproduk), Lagerkosten verschwinden und eigene bestehende Distributionskanäle sind nicht mehr notwendig. Auch die Promotion wird von den Online-Plattformen teilweise mit übernommen, da sie ja am Verkauf ebenso mitverdienen.

Über Amazon konnte bislang jeder schon bestehende Produkte im „Amazon MarketPlace“ mit anbieten und verkaufen. Mit „createspace“ geht das größte Online-Kaufhaus der Welt einen Schritt weiter. Jeder kann über diese Plattform seine selbst produzierten Medienprodukte vertreiben und dabei die komplette ausgebaute Infrastruktur von Amazon nutzen. Innerhalb von 24 Stunden soll ein Versand nach einer eingegangen Bestellung möglich sein. Der Produzent bezahlt wirklich nur dann die Produktionskosten, wenn er sein Buch, siene DVD oder CD bereits verkauft hat. Dabei stehen für On-Demand-Bücher bekannte Amazon Dienste wie „Search Inside!“ und für On-Demand-Filme das neue „Unbox“ zur Verfügung. Die Produkte können von der Community bewertet und weiterempfohlen werden. Nach der automatischen Zuteilung einer ISBN Nummer werden diese mit auf der Hauptseite von Amazon gelistet. Das Online-Kaufhaus verlangt keinerlei Einrichtungsgebühren, sondern lässt sich bei erfolgreichen Verkauf einen Anteil des Verkaufspreises auszahlen sowie die Produktionskosten als solche.

Nach der Bestellung werden zum Beispiel die Filme auf eine DVD gebrannt, mit einem individuellen Cover bedruckt und mit einer individuellen DVD-Hülle (Multi-Disk Sets und Multi-Case Collections sind dabei möglich) ausgeliefert. Die Designvorlagen übermittelt der Produzent neben dem eigentlichen Film an Amazon direkt online oder klassisch per Post-Weg. Nach maximal zehn Tagen erhält der Produzent die erste fertige Version zur Kontrolle.

Nochmal – jeder kann seine Filme, Musik und Bücher selbst an Millionen von Kunden weltweit verkaufen. Sogar die Preise können individuell festgelegt werden. Amazon wird dadurch mehr noch zur offenen Plattform, die neben den großen Produzenten nun auch einzelne kleine Autoren, Filmemacher und Musiker nutzen können. Der Long-Tail von Amazon wird hierdurch nahezu unendlich.

Mit öffentlichen Pressemitteilungen auf Plattformen wie openPR oder mit anderen Marketing 2.0 Prinzipien kann so das eigene veröffentlichte Medienprojekt wie von großen Verlagen selbst beworben werden.

Neben Amazon bietet noch Lulu einen ähnlichen Service an.


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