Open-Source, Open Pricing: VEB Leipzig
10. Oktober 2008 | Von Tino Kreßner | Kategorie: Film 2.0VEB Leipzig hat sich als Netlabel für Spielfilme gegründet, die unter Open Source Lizenzen verbreitet werden. Nach dem sie deutschlandweit den ersten Spielfilm namens „Route 66″ als kostenlosen Download online zur Verfügung stellten, soll im nächsten Schritt der HD Film „Die letzte Droge“ 2007 folgen. Die Werke können frei kopiert, verändert und sogar kommerziell vorgeführt werden. Auf Nachfrage stellen die Filmemacher aus Leipzig das Rohmaterial des Films zu Verfügung. So können zum Beispiel neue Sprachversionen entstehen, die dann als eigene DVD verkauft werden können.
Um selbst Geld mit dem Film einzunehmen gibt es auf der Webseite ein offenes Konto, auf das jeder direkt online spenden kann. Es ist zu jeder zeit ersichtlich, wie hoch die Produktionskosten sind und wie hoch die Einnahmen. Zusätzlich erscheinen die Unterstützungsglückwünsche bis hin zu werblichen Nachrichten zusammen mit der Höhe des Spendenbetrags jeder Spender direkt online. Die DVD, das Buch zum Film und der Soundtrack selbst wird mit Open Pricing-Mechanismen verkauft, bei dem die Kunden selbst bestimmen können, welchen Preis sie für gerechtfertigt halten.
Kernelemente der Vermarktung
- Produktionsblog
- Offenes Spendenkonto mit Kurznachrichtenfunktion
- Film wird unter Creative-Commons Lizenz zum Download angeboten
- Open Pricing
Verlauf
Bereits 2002 sind die vier Köpfe des Projektes durch Amerika gefahren und drehten ihr erstes eigenes Roadmovie. Mit den ersten Filmen geht es meist nur darum, über Filmfestivals bekannt zu werden und Netzwerke aufzubauen. Die Community und Bekanntheit um Open Source Software Projekte wie Linux war Inspiration auch den eigenen Kinofilm unter einer freien Lizenz zu vertreiben. Als First-Mover bekamen sie große Resonanz in Form von Presseartikeln auf Spiegel Online und in der BRAVO. Das Quellmaterial wurde unter anderem von der Hochschule Furtwangen (FH) für Lehrzwecke in eigenen Schnittkursen verwendet. Die Idee und die Philosophie des Open Source Ansatzes unterstützte die Online-Community bereitwillig und spendete Beträge zwischen einem Euro und Hundert Euro. Von der Idee sichtlich begeistert unterstützten fortan auch Firmen dieses Vorhaben, wie zum Beispiel das Multimediamagazin AVDC mit einem Sponsoring in Höhe von 7.000 Euro. Die Filmemacher mieteten sich ein eigenes Büro und begannen mit der Produktion ihres zweiten Spielfilms „Die letzte Droge“, der als erster Open-Source-HD-Film Ende 2008 veröffentlicht werden soll.
Ergebnisse
Bei Nedeos.TV werden Filme online für mobile Endgeräte verkauft. Die Möglichkeit einen Film kostenfrei ins Sortiment zu nehmen, aber damit Geld zu verdienen, war dem Onlineshop eine Spende von 1.000 Euro wert. Die YouTube-ähnliche Plattform Uprom.TV nimmt den Film in ihre Promotiontour mit rein und will zeigen, mit welchen Mitteln heutzutage jeder Filme drehen kann. Filmfestivals schrieben die Filmemacher selbst an und auch Kinos führten den Film bereits auf. Für die Veröffentlichung in einem iPod-Magazin bezahlte die Redaktion bereitwillig 500 Euro. Der Film „Route 66″ wurde über eine Million mal von der Homepage down geloaded und insgesamt wurden nach eigenen Angaben über 600.000 DVDs verkauft zu einem Durchschnittspreis von 8 Euro. Im September 2008 befindet sich der neue Film „Die letzte Droge“ kurz vor der Veröffentlichung. Der Kontostand weist bei Ausgaben in Höhe von rund 30.000 Euro ein Minus von 7.000 Euro vor. Die Haupteinnahmen verbuchte VEB Leipzig bislang über Großspenden und Sponsoring von Firmen (zirka 12.000 Euro). Rund 9.000 Euro kamen über den Verkauf zu Stande und die restlichen Einnahmen konnten über Spenden erzielt werden.
Trailer zu „Die letzte Droge“

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